Let’s talk about HPV

Let’s talk about HPV

 

Donnerstag, 07:20. Das grelle Licht blendet meine verschlafenen Augen und ich bereite mich auf den Schmerz, der mich gleich erwartet, vor. Eigentlich ist es für mich Morgenmuffel sowieso viel zu früh, aber das ist der einzige Termin, der sich noch vor der Arbeit ausgeht. Denn eines ist klar ich werde meiner „Diagnose“ auf keinem Fall mehr Platz in meinem Leben einräumen, als es sein muss. Jetzt mal ehrlich, es sind sowieso mehr als 80% der Menschen irgendwann in ihrem Leben von HPV betroffen. Keine Sorge also! Das sag ich mir zumindest regelmäßig selbst.

Doch jetzt gerade verfluche ich wieder diese kleinen verformten Zellen, die es sich in mir gemütlich gemacht haben. Kleine Zellen, die nicht nur meinen Uterus befallen haben – sondern viel mehr meine Gedanken. Okay, das klingt jetzt auch ein wenig theatralisch. Aber mindestens alle drei Monate geht es für mich jetzt zum Frauenarzt, dazwischen darf ich auch noch hingurken um mir den unveränderten Befund anzuhören – oh und seit ein paar Monaten ist auch diese wundervolle Untersuchung im Krankenhaus dazu gekommen. Eine Untersuchung, die für Manche vielleicht leicht weg zu stecken ist – aber ich finde es nicht gerade lustig, wenn man mir sagt „und jetzt husten Sie bitte, damit sie den Schmerz der Schnittwunde nicht allzu stark spüren“. Ich finde es auch nicht lustig, wenn ich eine „alte Oma“ Binde für den Rest des Tages mitbekomme, damit ich im Büro dank besagten Schnittes meine Hose nicht anblute. Und das ganz ohne Periode.

So jetzt ist es raus, es ist nicht gerade schön – und für alle Männer, die es bis hierher geschafft haben: Hiermit entschuldige ich mich zutiefst, aber das ist nun leider die Realität für einige Frauen (aber hier kommt’s: Wir alle können etwas dagegen tun!)

Doch halt, zurück zum Anfang. Denn wenn es euch so geht wie mir vor meiner Diagnose und so ziemlich fast jedem, mit dem ich diese Nachricht geteilt habe, habt ihr entweder A: Keine Ahnung wovon ich rede (oder glaubt womöglich mir ist ein Tippfehler unterlaufen, nein es heißt wirklich HPV) oder seid B: Gerade damit Beschäftigt diverse Vorurteile hin und her zu jonglieren. Also lasst uns kurz über HPV selbst reden (auch wenn ihr die super wissenschaftliche Definition bestimmt woanders wesentlich fundierter finden könnt).

HPV, also Humane Papillomaviren, sind veränderte Zellen, die unter anderem auch (aber nicht nur!) über Geschlechtsverkehr übertragen werden können und in manchen Formen (insgesamt gibt es über 100 VERSCHIEDENE STRÄNGE) zu Genitalherpes und Gebärmutterhalskrebs führen können.

Und da hätten wir schon zwei Vorurteile. Für die, die jetzt schon mal glauben ich habe Herpes. Es tut mir leid euch zu enttäuschen, leider fallen meine Viren unter die Krebserreger-Kategorie. Kommen wir zur Vorurteil Nummer 2. Hat man HPV, hatte man bestimmt ausreichend ungeschützten Sex. Und auch hier tut es mir wieder leid, aber auch wenn ich mir diese Aussage regelmäßig anhören durfte, war meine Antwort stets die Gleiche: Wenn ich im meinem Leben auf etwas stets geachtet habe, dann ist es eine ausreichende Verhütung! (Dank Frau Professor Hajek und dem verstörendsten Sexualunterricht ever…)

Wo waren wir stehen geblieben? Achja, fast hätte ich jetzt noch ein Vorurteil bzw. einen Kurzschluss vergessen. Denn auch wenn ich mich mit dem gefürchteten K-Wort schon viel zu früh auseinander setzten darf, ich bin jetzt keines Falls dem Tode gewidmet. Das Wichtigste das ihr nämlich über HPV wissen müsst ist das: Gefährlich wird es erst, wenn man nichts tut!

In erster Linie, kann sich jeder und jede von uns heutzutage impfen lassen. Schüler und Schülerinnen bekommen sie zum Glück schon automatisch, aber auch wir „Älteren“ können die Impfung jeder Zeit nachholen. Sie schützt uns zwar nicht vor HPV Viren, die wir vielleicht schon in uns haben, aber definitiv vor neuen (wie auch immer sie ihren Weg zu uns finden!). Der einzige Nachteil: Sie ist leider nicht günstig. Aber mal ehrlich, in unsere Gesundheit zu investieren, ist immer noch die beste Anlage, die jeder von uns zur Auswahl hat. Und für alle unsere Leserinnen: GEHT REGELMÄSSIG ZUM ARZT! Denn nur der kann mit Hilfe des Krebs- oder PAP Abstriches feststellen, ob ihr von HPV befallen seid und ob weitere Schritte unternommen werden müssen. Achtung: Der Virus kann auch jahrelang unentdeckt bleiben, bis er aktiv wird – um den jährlichen Arztbesuch kommt also keiner drum herum…

Und wie geht es eigentlich nun mit mir weiter? Laut meinem Frauenarzt werde ich diesen Spießrutenlauf zwischen Arzt und Krankenhaus solange durchmachen, bis sich entweder, wie in vielen Fällen eben diese veränderten Zellen einfach wieder von alleine zurückbilden. Oder ich nach einem schlechteren oder einem unveränderten Befund nach zwei Jahren einen Teil meines Gebärmutterhalses operativ entfernen lassen muss. Doch bis dahin mache ich freiwillig noch drei extra Gänge zum Arzt und hole ich mir etwas, das zum Glück heutzutage schon jedes Kind bekommt: Den Impfstoff!

 

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