Dear Future Self – ein Brief an mich selbst

Dear Future Self – ein Brief an mich selbst

Dear Future Self – ein Brief an mich selbst

 

… Ich weiß nicht einmal, wie ich diesen Brief anfangen soll. Es ist 2018, ein neuer IPCC Bericht über den Klimawandel wurde gerade veröffentlicht und ich habe Angst. Aber was noch schlimmer ist, ist dieses andere Gefühl, das in letzter Zeit in mir gewachsen ist. Es begann vor ein paar Monaten, vielleicht war es schon länger da und es wurde einfach größer und größer. Leise hat es eine Stimme bekommen. Und als ich mir am selben Tag endlich “Before the flood” und “The True Cost – Der Preis der Mode” angesehen habe, war es so weit. Alles, was ich fühlen konnte, war Scham. Ich habe mich geschämt, zu leben, als gäbe es kein Morgen. Zu konsumieren, ständig neue Sachen zu kaufen, zu essen, was ich will, regelmäßig in den Flieger zu steigen und am Schlimmsten: Einzukaufen wie eine Wahnsinnige – aber wofür? Um mich ein wenig besser zu fühlen, um diese kleine Leere, die jeder von uns von Zeit zu Zeit empfindet zu schließen, nur um festzustellen, dass sie immer noch da ist. Und keine Schokolade, Schuhe, Mantel oder was auch immer es ist, von dem ich dieses Mal geglaubt habe, dass ich es unbedingt brauche, wird mir bei diesem Gefühl helfen.

All mein Gebrabel ergibt wahrscheinlich gerade null Sinn für dich, aber da ist dieser Kampf in mir, verstehst du? Zwei Themen, die über meinem Kopf hängen. Globale Erwärmung und “Fast Fashion” also schnelllebige bzw. kurzlebige Mode. Zwei Themen, die nicht ganz das Gleiche, aber doch miteinander verflochten sind. Wusstest du, dass “Fast Fashion” der zweitstärkste Grund für den Klimawandel gleich nach der Ölindustrie ist? Das hat mich ziemlich hart getroffen. Und um ehrlich zu sein habe ich zu Beginn in meiner schönen Wohnung auf meiner gemütlichen Couch mit meiner großen Kleidersammlung direkt stundenlang mit Weinen verbracht. Jedes Mal, wenn ich in meinen Kleiderschrank geschaut habe oder mir am nächsten Tag bei der Arbeit jemand Komplimente für mein Outfit gemacht hat, fühlte ich mich einfach nur schlecht. So schlecht, als würde ich etwas hinterher trauern. Es war für mich so als hätte ich einen Teil von mir einfach so *zack* verloren. Eine Version von mir, die durchs Leben gegangen ist, natürlich wissend, dass es Ungleichheit und globale Erwärmung gibt, ohne aber ständig daran zu denken. Eine Version von mir, die keinesfalls schlecht war (habe ich ja trotzdem versucht zu spenden, und nicht von den schlimmsten Firmen zu kaufen), aber bestimmt keine Version, die die Welt besser hinterlassen hat, als sie vor meiner Geburt war. Falls das überhaupt noch möglich ist heutzutage…

Ich wollte diesen Brief jetzt seit zwei Wochen schreiben. Habe stunden lang recherchiert, versucht Fair Fashion zu finden (was sich leider als Kampf herausgestellt hat – dank meiner Größe gibt es nämlich kaum Fair Fashion Labels, die ich tatsächlich auch tragen kann!) und mit allen Mitteln probiert meine Gedanken in Ordnung zu bringen und für die Zukunft zu planen. Damit ich voller Hoffnung und einem Plan in der Tasche weitermachen kann. Ja, ein Plan ist immer gut. Denn mit Plänen ist es einfach, das kennst du doch. Du befolgst einfach die Schritte auf deinem sorgfältig zurechtgelegtem Plan und alles wird gut. Aber hier bin ich nun, immer noch verwirrt, überwältigt. Ich fühle mich zwar etwas weniger schuldig als in den letzen Wochen, aber die Angst und auch ein wenig Wut lassen mich nicht ganz los. Dennoch habe ich zwischen all dem Chaos, das gerade in meinem Kopf herrscht, mich für ein paar Dinge entschieden:

  • Ich möchte mich ab sofort zu 90% vegetarisch ernähren
  • Keine Fast Fashion mehr (dieser Punkt wird leider noch so richtig schwer, da es so gut wie fast kein Angebot zur Fair Fashion in großen Größen gibt, aber ich gebe so schnell nicht auf!)
  • Immer eine Glas- oder Metallflasche dabei haben, um Plastik einzusparen (bzw. meinen Plastikverbrauch generell zu minimieren)
  • Mehr zu reisen ohne in den Flieger zu steigen (ganz werde ich das reisen und fliegen niemals einstellen können, aber ich glaube es gibt noch unzählige schöne Flecken dieser Erde, die doch näher sind, als gedacht)

Weißt du was? Ich kann mit diesen “kleinen Änderungen” vielleicht nicht die Welt retten, vielleicht bedeuten sie gar nichts auf globalem Level. Aber ich möchte in einer Welt leben, in der ich die Macht habe, etwas zu verändern. Eine Welt, in der ich daran glauben kann, dass die Menschheit zusammenarbeiten und sich zum Besseren verändern kann. Und auch wenn ich die Welt vielleicht nicht retten kann, so kann ich am Ende des Tages immer noch mich retten und ein wenig stolzer ohne schlechtem Gewissen in den Spiegel schauen …

 

Ihr habt mehr Fragen zu dem Thema?

Da ich überhaupt kein Experte auf diesem Gebiet bin und noch selbst unglaublich viel zu lernen habe, verweise ich euch lieber auf folgende Seiten. Lasst uns gemeinsam lernen, wie wir ein wenig nachhaltiger leben können!

Die Homepage des Intergovernmental Panel on Change IPCC

Die Homepage zum Umweltprogramm der Vereinten Nationen

Daria Daria’s Linksammlung zu Fair Fashion, Nachhaltigkeit, Büchern, Filmen und vielen mehr

Vivien’s Blog von dem man sich einiges zum Thema nachhaltig Leben abschauen kann

 

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